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BOMBENLEGEN/KÜCHENLIEGEN |
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| Aufführung: 19.-29. Oktober 2006, täglich (außer Montag) 20.00 | |
| Karten: 15,-/10,- Reservierung: 0664/9101706 |
RAF - das ist für uns
heute die Vorstellung von Gewalt und Konsequenz, eine Projektionsfläche
unserer Ohnmacht zu handeln.
RAF - das ist für uns heute Erinnerung, der Mythos von einem freien Menschen,
der beschließt ein eigenes Drehbuch für sein Leben zu schreiben und
sein Leben so zu realisieren, als sei es von ihm inszeniert.
RAF das ist eine verbrecherische Organisation von Geistesgestörten.
RAF - das ist ein Spektakel wie für uns heute gemacht, eine große
Show, mit der wir unserer Selbstauslöschung applaudieren.
KURZBESCHREIBUNG
2006 sitzen wir als politische Autisten
in der Küche der Wohngemeinschaft und leiden an der ewigen Wiederkehr des
Gleichen. Die Globalisierungsgegner die letzten Widerständler
wirken wie Don Quichottes im Kampf gegen die einzig denkbare Weltordnung. Die
anderen sehen sich die Welt im Fernsehen an, ob in Hanoi, St. Petersburg oder
Wien. Und was bleibt nach den Jahren übrig? Wenig. Vielleicht auch nichts.
Vielleicht auch nur, dass wir hier bleiben. Bei uns. Wir machen keine Politik.
Wir machen gar nichts. Gar nichts machen ist das einzige, was man tun kann.
Wir von theaterprocedere setzen uns
mit diesem Bild, das wir uns heute von der RAF machen, auseinander, dem bewaffneten
Kampf gegen das System, dem Amoklauf, dem Scheitern. Was verrät es uns
über uns, die wir oft genug morgens mit Wut im Bauch aufstehen, um abends
festzustellen, dass das Bier wieder einmal (allzu) gut geschmeckt hat?
BOMBENLEGEN und KÜCHENLIEGEN
Beziehungsdramen von Menschen um die Dreißig
vor 40 Jahren und heute.
Das Ziel dieser Gegenüberstellung ist es, die verschiedenen Selbst-, Fremd-
und Weltwahrnehmungen, das Verhältnis von Politisierung und Entpolitisierung
zwischenmenschlicher Beziehungen, den Umgang mit Träumen, Projektionen
und Revolutionen, die grundsätzlich verschiedene Dynamik: exzentrisch und
konzentrisch, ernst und ironisch, selbstgerecht und distanziert, gegeneinander
zu stellen.
Dieser gegenläufigen Spannung wird mit der Arbeit am Text entsprochen.
Während wir für BOMBENLEGEN mit vorhandenen, nicht für das Theater
geschriebenen Texten experimentieren, ist KÜCHENLIEGEN ein Dramen-Text,
der in gekürzter Form im Rahmen des Wettbewerbs Drama X in
der Regie von Paola Aguiliera im April 2004 in Wien uraufgeführt wurde.
Was von der Kritik als gelungenes Kammerspiel gesehen wurde, soll
durch die Konfrontation mit expressiven Texten von 1968-72 zu einer traurigen
Komödie werden. Während es früher hieß lieber wütend
als traurig sein, fragt man heute Würfeln wir eine Runde?
DARSTELLER
BernwardVesper/Peter - Jakub Kavin
GudrunEnsslin/Katharina - Eszter Hollosi
Andreas Baader/Zoran - Florian Schmidt
DIE PROTAGONISTEN
Andreas Baader, der schöne Grenzgänger, dem die Frauen zu Füßen liegen; der aus dem, was für andere noch Spiel ist, Ernst macht; der sich gerne in der Rolle Marlon Brandos oder James Deans sieht, wird zu Zoran, der sich nach Haus, Auto und Familie sehnt und verzweifelt ist, dass alles nicht so gekommen ist, wie er sich das früher vorgestellt hat; der Bieretiketten sammelt und nicht weiß, wie schön er tatsächlich ist.
Bernward Vesper, der ewige Dritte; dessen Leben und Schaffen geprägt ist von der Auseinandersetzung mit seinem Nazi-Vater; unzufrieden und grandiosen Projekten nachjagend, wird zu Peter, der zufrieden wäre mit einer großen Badewanne und der Möglichkeit, Antilopen zu schießen; der alles nimmt, wie es ist und dessen Auseinandersetzung mit seinem Vater im Inneren, für alle anderen nicht sichtbar, stattfindet.
Gudrun Ensslin, die protestantische Pfarrerstochter
mit dem stark ausgeprägten Gerechtigkeitssinn; die Ideologin; überzeugt
davon, dass ein Gedanke nur dann etwas wert ist, wenn sich aus ihm praktische
Konsequenzen ergeben, wird zu Katharina, die den Glauben an die Veränderbarkeit
der Welt längst verloren hat, mit 30 den Idealen der Jugend nachtrauert,
und aus Angst vor weiteren Enttäuschungen am liebsten in der Küche
liegt und würfelt.
Kontakt:
www.procedere.at