Der Ragnarhof ist ein Ort
kultureller Interaktion. Die Ausstellungs- und Veranstaltungsräume werden
zum Teil in Eigenregie, zum Teil in Kooperation mit anderen Kulturinstitutionen
bespielt und zum Teil ganz vermietet. Bei den Eigenproduktionen ist man direkt
an den Projekten beteiligt und arbeitet auch an deren Umsetzung mit.
Zu den Kompetenzen des Ragnarhofs zählt, dass bei Kooperationen nicht nur
die Räume zur Verfügung gestellt werden, sondern auch Service in Form
von Infrastruktur und Know-how im Kunstsektor angeboten wird. So werden etwa
Kontakte zu Fördergebern und anderen Kontaktpersonen im kulturellen Feld
gelegt oder es kann beispielsweise auf den Verteiler für Presse und Ragnarhof-BesucherInnen
zurückgegriffen werden. Es wird monatlich ein Newsletter verschickt, der
über das Programm informiert und etwa 3.000 kulturinteressierte Menschen
im Raum Wien erreicht.
Nicht nur Räume, Wissensvermittlung und Pressetools werden angeboten, sondern
auch Equipment, wie Licht- und Tonanlage, Videobeamer, DVD-Player, Bühnenelemente,
Mobiliar wie Sessel, Tische, Sofas und weitere Ausstattungselemente werden ebenfalls
bereitgestellt.
Auf der einen Seite Vermietungen und auf der anderen Seite eigene Produktionen
- eine Konfliktsituation, die am Ragnarhof durch die Problematik entsteht, dass
oft keine Zeit für eigene künstlerische Projekte bleibt, da Projektmanagement,
Organisation und die Aufrechterhaltung der Rahmen-bedingungen im Vordergrund
stehen.
Kontaktzone und Kommunikationsort
Der Ragnarhof übernimmt
als Kunstraum, durch seine Programmgestaltung und Auswahl der Themenschwerpunkte
eine politische Funktion. Dabei ist etwa die Suche nach gesellschaftsrelevanten
Themen ausschlaggebend. Von Interesse sind auch künstlerische Positionen,
welche lokale, soziale und wirtschaftliche Bedingungen mitdenken und sowohl
das Umfeld des Ragnarhofs (räumliche Strukturen) wie auch das engere bzw.
weitere Umfeld in ihre Arbeiten miteinbeziehen. Ein weiteres wichtiges Ziel
besteht darin, Randgruppen und Minderheiten Raum zu geben, um sich sichtbar,
hörbar, fühlbar, erlebbar zu machen. Als BetreiberInnen des Hofes
ist es uns wichtig, den Menschen einen Rahmen zu bieten um sich selbst zu integrieren,
etwa in der Präsentation ihrer kulturellen Geschichte oder indem sie Workshops
anbieten und ihre kulturellen oder künstlerischen Praktiken erlebbar machen.
Räume der Kunst sollten nicht nur Unterhaltung bieten, sondern auch Kontaktzonen
für Gespräche, Diskussionen oder Konflikte sein. Ein Treffpunkt für
KünstlerInnen war der Ragnarhof schon, bevor hier Kunst überhaupt
präsentiert wurde. Der Ragnarhof ist ein Kommunikationsort, an dem man
die Möglichkeit hat, Fragen zu stellen, sich zu involvieren, selbst aktiv
zu werden, sowohl als OrganisatorIn einer Ausstellung wie auch als BesucherIn
einer Veranstaltung. Ein Ziel des Ragnarhofs ist es auch, Menschen aus den verschiedensten
Kulturen, die im Viertel nebeneinander leben und arbeiten, zu unterstützen,
damit sie kulturübergreifend gemeinsame Werte schaffen können, aus
dem Nebeneinander ein Miteinander entwickeln. Deshalb wurde mit dem Ragnarhof
eine Plattform für KünstlerInnen und RezipientInnen gegründet,
welche auf kultureller, sozialer und künstlerischer Basis arbeitet.
Programmierung
Neben den Vermietungen der
Räume für Ausstellungen und Veranstaltungen im darstellenden Bereich
wurden auch Kooperationen mit dem Kunstfestival "Soho in Ottakring"
und der Ausstellungsreihe "Grundstein" sowie eigene Projekte realisiert.
In den bisherigen Ausstellungen, Veranstaltungen und Aktionen wurden Kunstformen
wie Malerei, Skulptur, Installation, Design, Fotografie, Film, Video, Konzeptkunst,
Medienkunst, interaktive Kunst, Performance, Musik, Literatur, Theater und Oper
involviert.
Die Gestaltung des Programms setzt sich aus Eigenproduktionen sowie aus unterschiedlichen
Projekten von KünstlerInnen und KuratorInnen zusammen. Daraus ergibt sich
ein vielfältiges Programm von Ausstellungen, Theatervorstellungen, Performances,
CD-Präsentationen, Buchpräsentationen, Lesungen, Einzelausstellungen,
Fotoausstellungen bis hin zu privaten Veranstaltungen wie Hochzeiten, Empfängen,
diversesten Festen etc.
Das Programm setzte sich bisher
nach dem Prinzip der Nachfrage zusammen. Die BetreiberInnen nehmen die Anfragen
von KünstlerInnen beziehungsweise VeranstalterInnen entgegen, und es werden
Gespräche über das geplante Vorhaben geführt. Wichtige Diskussionspunkte
hierbei betreffen Richtlinien, Hausordnungen und eine "Bedienungsanleitung"
sowie Konditionen des Ragnarhofs. Vorstellungen über den Ablauf des durchzuführenden
Programms, Publikumserwartungen, Fassungsvermögen oder Verantwortungsbereiche
werden aufeinander abgestimmt.
Das Programm besteht aus über zwei Drittel Fremdproduktionen und schafft
das Basiskonzept des Kunstraums. Die anderen Produktionen werden von KünstlerInnen
des Ragnarhofs zusammen mit den BetreiberInnen organisiert.
In der nachfrageschwachen
Zeit der Sommer- und Winterferien werden die Räume vorrangig langfristig
vermietet. Ideal dafür eignen sich etwa Workshops oder Theaterprobearbeiten.
In den dichten Zeiten im Frühjahr und Herbst kommt es zu kurzfristigen
Vermietungen, das heißt eine Woche für Ausstellungen, maximal zwei
Wochen bei gut organisiertem Rahmenprogramm und für Veranstaltungen wie
Performances, Konzerte etc. werden die Räume zwischen ein und drei Tagen
bespielt. Die Begrenzung des Ausstellungszeitraumes ergibt sich aus einer immer
höher werdenden Nachfrage. Es sollen die Vielfalt erhalten bleiben und
zugleich möglichst vielen InteressentInnen die Strukturen zugänglich
gemacht werden. In Zukunft kann es notwendig werden für die Programmauswahl
entweder eine Jury von außen einzuladen oder programmatische Schwerpunkte
zu setzen.
Es finden Präsentationen raumbezogener Arbeiten aller bildnerischen Medien
statt, die Basis einer nicht-kommerziellen Ausstellungsfläche wurde geschaffen.
Im darstellenden Bereich werden Theaterprojekte zum Teil mit neuen experimentellen
Zugängen organisiert. Zudem versucht der Ort als KünstlerInnentreff
den künstlerischen Austausch zu ermöglichen.
Im Verlauf einiger weniger Jahre kann man die rasche Entwicklung des Programms
von der Anfangsphase während der Renovierungsarbeiten im Jahr 2005 bis
heute gut erkennen. Die Anzahl von zwei Ausstellungen im Jahr 2004 stieg im
Jahr 2005 schon auf vier Ausstellungen und eine Theateraufführung. In den
Jahren 2006 und 2007 wurden bereits 26 Ausstellungen, zehn Theater- bzw. Performanceaufführungen
und viele andere Veranstaltungen, wie musikalische Darbietungen, Lesungen, Workshops
etc. realisiert. Zehn Ausstellungen und vier Veranstaltungen im Bereich Performance
und Theater wurden allein im ersten Halbjahr 2008 durchgeführt.
Fixpunkte
Am Ragnarhof ist es teilweise nicht möglich langfristig zu planen, da Anfragen für Vermietungen der Räume für Kunstprojekte meist sehr kurzfristig kommen. Große Kunstveranstaltungen wie das Kunstfestival "Soho in Ottakring", die Ausstellungsreihe "Grundstein", Theaterproduktionen wie "Mimamusch" oder andere Veranstaltungsreihen nehmen mittlerweile einen fixen Platz im Programm des Ragnarhofs ein. Es soll jedoch die Möglichkeit offen bleiben, dass KünstlerInnen ihre Projekte auch kurzfristig umsetzen können, ohne vorher ein bis zwei Jahre auf einen Termin zu warten. Denn eine flexible Gestaltung außerhalb von fixen Programmpunkten und die Ermöglichung von offenen Prozessen und überraschenden Interventionen bilden eine der Vorteile des Arbeitens im Offspace-Bereich. Ziel ist es zum einen, fixe Veranstaltungen und Kooperationen voranzutreiben, zum anderen, Raum für eigene Produktionen zu schaffen und gleichzeitig auch einen Raum für kurzfristige Projekte von KünstlerInnen offen zu halten.