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STRATEGIETHEATER
M I M A M U S C H
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Aufführungstermine:
1., 2., 8., 9., 15., 16., 22., 23., 29. und 30. 10. 2010

Manche Menschen glauben
es gäbe eine Seele,
gesehen hat diese noch niemand.

Manche Mensche glauben
sie würden wiedergeboren,
doch es kann sich niemand erinnern.

Manche Menschen glauben
sie wären unsterblich,
meist entdecken sie diesen Irrtum zu spät.

Manche Menschen glauben
die Wissenschaft löse alle Fragen,
sie fühlen nichts mehr.

Gefühl hin, Glaube her.
Das Strategietheater MIMAMUSCH 2010 macht
wunderbare Luftsprünge ins Bewusstsein,
löst sich vom Glauben an was auch immer
und ersetzt ihn durch Gefühl.
Donald Padel

Der Verein „Kunstraum Ragnarhof“, Initiator und Betreiber der unabhängigen
Kulturbasis „Ragnarhof“, produziert im Oktober 2010 bereits zum fünften Mal das
5wöchige Strategietheater MIMAMUSCH. Er versteht sich als Plattform, die KünstlerInnen
und ZuschauerInnen eine außergewöhnliche Form des gemeinsamen Erlebens von
Kunst bietet.
In einem gemeinsamen Schaffensprozess entsteht eine einzigartige künstlerische Vielfalt,
die wir für Künstler als lebensnotwendig erachten, um gegen jegliche Eindimensionalität
im Denken unserer Zeit und unserer Auffassung der Dualität “Kunst und
Leben“ Stellung zu beziehen. Dabei halten wir uns an die sehr lebendige und erfolgreiche
Strategie, Kurztheaterstücke zu entwickeln wie zu präsentieren:

MIMAMUSCH 2010 hat folgendes Thema als Arbeitsgrundlage wie Impuls für die
Produktionen gewählt:

DIE
WUNDERBAREN
LUFTSPRÜNGE
DES BEWUSSTSEINS


Wenn wir das Bewusstsein in solch luftiger Verschwiegenheit ansiedeln, wenn wir es
unter dem Schleier der Iris verstecken, in der Romantik also, im Unausgesprochenen,
tatsächlich im Unbewussten – dann begeben wir uns in den Garten jener stillen Einvernehmung
von MIMAMUSCH, in das verrückte Theater, oder vielmehr das Theater
für Verrückte, das Emotionelle, die Liebe, das Benenn- aber nicht Greifbare. Das ist
der Ring, der Kreidekreis unseres Wirkens, der Raum, den wir in voller Länge mit
gemessenen Schritten durchschreiten, seine Möglichkeiten ausschöpfen, wir sind:
professionell verrückt.
Da, der da, der gerade durch die Tür kommt, der dem Lockruf unseres Aushängeschildes
gefolgt ist: wie ein Schauspieler der dreißiger Jahre vom stummen in den vertonten
Film, vom Schwarzweißen, vom Grauen in die Welt der Farbe gerät: von der
Nüchternheit in den Rausch. Er ist begeistert, denn der Strudel dieser Gemessenheit,
die uns bewegt, stellt sich für ihn in leichtfüßigen Luftsprüngen dar, das Bewusstsein
hoppelt ihm davon, weil er es nicht fassen kann. Aber wie soll das gehen – ein Mensch
ohne Bewusstsein? Geht der Gast seines Bewusstseins verlustig, entkommt es ihm, lässt
er es gar laufen? Oder macht er vielmehr eine ganz neue Entdeckung, die Entdeckung,
dass er soeben um die Erfahrung reicher geworden ist, sich bewusst zu werden, wie er
plötzlich loslässt und jene andere Erfahrung der alten Welt für, den Abend zumindest,
fortschickt, um sie vielleicht später anderenorts abzuholen. Niemand schaltet hier sein
Bewusstsein aus, und keiner ist verrückt. Das ist die wirkliche Welt, das ist das neue
MIMAMUSCH-Bewusstsein, und erst langsam kommt der Gast sich selbst auf die
Schliche: seine Schritte sind genauso gemessen, wie die der Schauspieler, und er stellt
nicht weniger dar. Das Theater saugt ihn auf, er wird zum Teil dieses Theaters, er ertappt
sich dabei, wie er langsam lernt mitzuspielen. Und was ist an dieser alten Weisheit
noch verrückt: der Chor auf der Bühne ist der ideale Zuschauer, der Zuschauer
aber ist im Grunde Teil der Vorführung, er selbst schafft erst das Stück. Und wir Eingeweihten,
wir Geheimniskrämer und Widersacher jener zuvorderst bewussten, eintönigen
grauen Welt, wir bunte Vögel – wir geben uns zum Abschuss frei, und freuen
uns dabei den Schützen zu studieren. Der Gast liefert uns das gewollte Spiel, jener Begeisterte,
Berauschte, Nichtsahnende: Er ist der Träger unseres Bewusstseins, seine
Darbietung gibt uns Anlass zu spielen... Aleksander Studen-Kirchner

UNSERE STRATEGIEN

STRATEGIE *1

Aufruf zur Kunst!
MIMAMUSCH lädt AutorInnen, RegisseurInnen, SchauspielerInnen,
MusikerInnen und bildende KünstlerInnen ein, Ideen zum genannten
und beschriebenen Thema auszuarbeiten. MIMAMUSCH
garantiert den jeweiligen Kunstschaffenden Raum für unabhängige künstlerische
Arbeit. Die unterschiedlichen Herangehensweisen eröffnen dem Publikum aktuelle
Perspektiven in der Kunstwahrnehmung, innerhalb derer traditionelle Rezeptionsmuster
dekonstruiert und neu zusammengesetzt werden.

STRATEGIE *2
“Jeder Mensch ist ein Künstler“ (J.B.)

Unsere Arbeitsweise zur Entwicklung der jeweiligen Stücke besteht darin, kleine
Produktionsgruppen zu bilden, diese bestehen dann aus dem/r AutorIn oder
KonzeptschreiberIn, dem/r RegisseurIn und den SchauspielerInnen, es können auch
Einzelpersonen die Stücke entwickeln und dann selber aufführen, dies liegt im Entscheidungsbereich
der jeweiligen KünstlerInnen und somit jedes/r Einzelnen.

STRATEGIE *3
Kosmisches Chaos!

Gespielt werden alle Stücke von 20 Uhr bis 4 Uhr morgens gleichzeitig, je nach Nachfrage.
Das Publikum wird im Salon des Ragnarhof empfangen, in dem ein ganznächtiges
Unterhaltungsprogramm geboten wird, hier treffen Schauspieler und
Publikum aufeinander. Jede einzelne Produktion bekommt eine Bühne zugewiesen,
wobei bei 30 Produktionen und 20 zur Verfügung stehenden Spielorten sich auch
einige Produktionen die Bühne teilen müssen, andere sich wiederum mit Nachbarproduktionen
überschneiden und so einen interessanten Verfremdungseffekt
erzielen.
Über alles - auch das Publikum - wird ein Hauch von Kreativität gelegt. Man weiß nicht,
wer ist Schauspieler oder Künstler – und wer ist Zuschauer? Alles ist inszeniert – oder
täuscht den Anschein dessen vor!

STRATEGIE *4
KünstlerInnen verkaufen SICH!

SchauspielerInnen bieten ihre Stücke dem Zuschauer feil:
Nachdem man sich über den Preis des jeweiligen Angebotes geeinigt hat, geht der
Schauspieler mit dem/r/n ZuschauerInne/n auf seine/ihre Kleinbühne, um dort das
jeweilige Stück darzubieten. Anschließend kann sich der/die ZuschauerIn entweder
noch weitere Stücke ansehen, oder sich beim Abendprogramm im Salon vergnügen.
Der/Die ZuschauerIn trifft zwar die Wahl, welches Stück er/sie ansieht - jedoch kann
er/sie sich der Gesamtsituation Kunst schwer entziehen.

STRATEGIE *5
Ständiges Wachstum!

Im Jahr 2009 gab es 24 Theaterproduktionen (fast zur Gänze Uraufführungen) zum
Thema „tot oder lebendig“ (siehe Projektberichte 2006-2009). Rückblickend lässt
sich ein stetiges Wachstum der Idee des Strategietheaters erkennen.
Eine Vielzahl von Kurztheaterstücken und Performances werden im Oktober 2010
im Ragnarhof und Umgebung auf 20 Spielorten präsentiert. Dies zeigt uns, dass der
Bedarf an MIMAMUSCH als Institution stetig wächst. Dies ist der perfekte Nährboden,
um Kunst aller Sparten zum Leben zu erwecken, zu hören, zu sehen, wahrzunehmen
und zu verstehen. Es ist das eigentliche Bild des Theaters der Zukunft! Wir waren schon
in den letzten Jahren gezwungen, uns auf Straßenlokale in unmittelbarer Nähe des
Ragnarhof (Ottakring, Grundsteingasse 12, Fassungsvermögen max. 10 Spielorte)
auszudehnen, was sich sehr positiv auf die Sichtbarkeit (Einbindung des Projektes im
Stadtleben Wiens, Ottakring und umliegende Bezirke) niederschlägt.

STRATEGIE *6
KünstlerInnen aller Länder! Vereinigt Euch!

Allein 2009 haben sich über einhundert internationale KünstlerInnen am
Strategietheater beteiligt und sich im gemeinsamen Idealismus bestärkt, Gegenpole
zu bilden. MIMAMUSCH ist ein bewährtes Konzept, das transnationale Ideen zu
einem gesellschaftlich relevanten Thema aufgreift und widerspiegelt. Dadurch sendet
MIMAMUSCH deutliche Impulse aus und greift nach einer idealisierten Welt, in der
künstlerische Freiheit möglich ist und lädt jene ein, die diese Gabe als persönliche
Verantwortung sehen.
Tilda Swinton war da. Sie auch?